Experten: Aluminium in Deos macht Brustkrebs

StimmtHaltNicht – „Ich bin meiner Kollegin (…) dankbar, dass sie sich um dieses Thema gekümmert hat und dass wir Ihnen jetzt diesen Beitrag zeigen können. Deos können dazu beitragen, dass Brustkrebs entsteht. Das sagen Experten jetzt bei uns und schlagen wirklich Alarm. Es geht um einen bestimmten Inhaltsstoff und ich schwöre Ihnen, gleich fliegen bei Ihnen zu Hause ganz viele Deos in den Müll – bei mir war’s genauso.“

Gefährliche Krebsauslöser? Werfen Sie ihre Deos auf den Müll!  Screenshot: StimmtHaltNicht
Gefährliche Krebsauslöser? Werfen Sie ihre Deos in den Müll!
Screenshot: StimmtHaltNicht

So unfassbar unsachlich wie diese Anmoderation war auch der darauffolgenden Beitrag, den RTL am Samstagnachmittag in seinem Magazin „Explosiv“ zeigte. Es geht natürlich um Aluminium bzw. Aluminiumsalze in Antitranspirantien – und wieder einmal kommen die üblichen Wissenschaftler zu Wort und wieder einmal werden Passanten mit dem „fürchterlichen Verdacht“ konfrontiert.

Unglücklich ist auch die Darstellung der Brustkrebspatientin Eva Glave, die selbst einen Zusammenhang zwischen Aluminium und ihrer Erkrankung herstellt (in diesem Sinne kam sie bereits in der Dokumentation „Die Akte Aluminium“ zu Wort). Die Hebamme Glave zeigt sich zudem wütend, dass man nicht über das von Antitranspirantien ausgehende Risiko gewarnt hat: „Auch auf Zigarettenpackungen steht drauf: macht Krebs. Beim Deo bisher nicht“, sagt sie – und nennt auch gleich konkrete Zahlen. „Wenn man sich das vorstellt, dass viele darüber nicht informiert sind und dann irgendwie das benutzen und jede siebte Frau trifft dieser Scheiß ja sowieso, wenn davon vielleicht zwei dieses Problem als Auslöser haben, finde ich das ein ziemliches Unding.“ (1)

So traurig der Fall der Patientin ist – wir meinen, es ist ein Unding, dass die RTL-Journalisten diese Aussagen nicht reflektieren. Dass es Kritik an den erwähnten Untersuchungen gibt und sie in Fachkreisen kontrovers diskutiert werden, wird nicht gesagt. Da hilft auch der viel zu kurze O-Ton zur unzureichenden Datenlage eines Experten des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) nicht. (2)

So wie RTL es darstellt, teilen viele Fachleute die Auffassung, das übermäßiger Deogebrauch krank machen kann. Welche Experten das neben Philippa Darbre sein sollen, wissen wir nicht. Unseren Quellen zufolge ist diese Aussage nicht haltbar. Denn es mangelt schlicht an hochwertigen Untersuchungen zu dieser Fragestellung. (3)

Über die Berechnung der Mengenangaben des aufgenommenen Aluminiums erfährt der Zuschauer so gut wie nichts, dabei wäre gerade das wirklich einmal hilfreich gewesen. Über Fehler in der RTL-Berechnung und die tatsächliche Aufnahmemenge von Aluminium haben wir hier noch einmal gebloggt. 

Quellen:
RTL, 27.04.14, Aluminium in Deos: Gefährliche Krebsauslöser?, URL: http://www.rtl.de/cms/ratgeber/aluminium-in-deos-gefaehrliche-krebsausloeser-3a9d9-6e4e-15-1886592.html
Bundesinstitut für Risikobewertung, 26.02.2014, Fragen und Antworten zu Aluminium in Lebensmitteln und verbrauchernahen Produkten, URL: http://www.bfr.bund.de/de/fragen_und_antworten_zu_aluminium_in_lebensmitteln_und_verbrauchernahen_produkten-189498.html#topic_189501
Krebsinformationsdienst, 04.12.2013: Deos und Antitranspirantien: Als Risiko verkannt?, URL: https://www.krebsinformationsdienst.de/vorbeugung/risiken/mythen.php#inhalt13
Medizin-Transparent, Update, 31.3.2014, Brustkrebs durch Deos, URL: http://www.medizin-transparent.at/brustkrebs-durch-deos
Stiftung Warentest, 12.07.2013: Aluminium in Deos: Schweiß­hemmend und umstritten, URL: http://www.test.de/Aluminium-in-Deos-Schweisshemmend-und-umstritten-4570934-0/
SpiegelOnline, 19.03.2014: Wir machen uns mal frei: Ein Leben ohne Alu-Deo, http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/aluminium-in-deos-so-kommt-man-auch-ohne-alu-nicht-ins-schwitzen-a-959293.html

Anmerkungen:

(1) Tatsächlich muss etwa jede achte Frau damit rechnen, an Brustkrebs zu erkranken. Diese Berechnung gilt aber nur für die gesamte Lebensspanne, bezogen auf eine Lebenserwartung von mindestens 80 Jahren, so der Krebsinformationsdienst.

(2) Bitte auch noch den Kommentar von Tommy beachten!

(3) Dass der Verzicht auf aluminiumhaltige Deos sinnvoll sein kann, bestreiten wir übrigens nicht (Stichwort „tolerierbare wöchentliche Aufnahmemenge“). Dazu hat das BfR kürzlich auch eine Stellungnahme herausgegeben. Dass aber ein kausaler Zusammenhang zwischen der Benutzung von Deos bzw. Antitranspirantien mit Aluminium und Brustkrebs hergestellt und nicht auf die herrschenden Unsicherheiten hingewiesen wird, ist tatsächlich so nicht tragbar. Wie SpOn berichtet, prüft das Verbraucherministerium nun, wie gefährlich Aluminium in Kosmetika ist.

Sonnenhut (Echinacea) und Umckaloabo helfen bei Erkältungen

StimmtHaltNicht – Wir haben ja bereits berichtet, welche Mittelchen zu einer Linderung von Erkältungsbeschwerden führen können und welche (kostspieligen) Arzneien sich die Betroffenen besser sparen. In seinem aktuellen Gesundheitsspezial greift das IQWiG das Thema „Erkältungen“ nun noch einmal auf und hat auch den Nutzen häufig verschriebener pflanzlicher Arzneimitteln untersucht.

Auch die Kleinen werden bei Erkältungen oft mit allerlei Mittelchen versorgt – bei vielen ist eine positive Wirkung noch nicht belegt.

Extrakte aus Sonnenhut (Echinacea)

Die Experten von www.gesundheitsinformationen.de kommen etwa zu dem Schluss, dass Präparate mit Extrakten aus Sonnenhut (Echinacea) zwar angeblich die Abwehrkräfte stärken sollen, die bisherigen Studien aber keine eindeutigen Ergebnisse zeigen. „Weder die Studien zur Vorbeugung noch zur Behandlung von Erkältungen mit Echinacea-Präparaten zeigten in der Gesamtschau eindeutige Ergebnisse“, so das IQWiG. Das liege auch daran, dass es deutliche Unterschiede bei der Zusammensetzung der untersuchten Präparate gebe. Eine zuverlässige Beurteilung möglicher Vor- und Nachteile der Sonnenhut-Extrakte sei zurzeit daher nicht möglich.

bagal / pixelio.de

Umckaloabo oder Kaloba

Ähnlich sieht es bei Mitteln aus Extrakten der Pelargonienwurzel – bekannt als „Umckaloabo“ oder „Kaloba“ – aus. Ihre Wirkung speziell gegen Erkältungen ist bislang kaum durch Studien untersucht. Hier gibt es jedoch immerhin schwache Hinweise, dass ein Extrakt aus der Pelargonienwurzel speziell bei Atemwegsinfektionen die Krankheitsdauer verkürzen und die Beschwerden lindern könnte, so das IQWiG. Gleichzeitig könne das Mittel aber auch Nebenwirkungen haben, zum Beispiel Magen-Darm-Beschwerden.

Schmerzmittel bei Erkältungen

Schmerzmitteln wie Ibuprofen, Paracetamol oder Acetylsalicylsäure (ASS, Apsirin) können bei Erkältungen nachgewiesenermaßen einige Symptome wie zum Beispiel Halsschmerzen lindern, auch Nasensprays können helfen. In der Regel ist eine medikamentöse Behandlung jedoch gar nicht nötig. Auch wenn Erkältungen unangenehm sind, bekämpft sie der Körper auch ohne zusätzliche Hilfsmittel erfolgreich. Nach etwa einer Woche sind die Beschwerden wieder verschwunden.

Quelle: Gesundheitsinformationen.de, Thema: Erkältung, URL: http://www.gesundheitsinformation.de/erkaeltung.2642.de.html

Geschwister: So löst man den Dauerstreit

StimmtHaltNicht – Welche Folgen hat es für die psychische Gesundheit, wenn sich Geschwister immerzu streiten? Für Eltern, Brüder und Schwestern ist diese Frage sicher relevant. Leider liefert ein aktueller Beitrag auf der Gesundheitsseite von Spiegel Online kaum Antworten.

Dabei liest sich der Text des Coaches Ekkehard Rüdiger Neumann unterhaltsam und verständlich. Der Autor schildert darin eine Fallgeschichte aus seiner Praxis. Frederike und Markus haben in ihrer Kindheit stark untereinander gelitten. Bei Frederike hat der Zank mit Markus eine vorhandene Essstörung verstärkt und zu „depressiven Phasen“ geführt.
Heute, mit Anfang 50, hat sie eine Behandlung bei Neumann hinter sich. Offenbar geht es ihr besser. Eine Erfolgsgeschichte, so scheint es.

Wie kommt es dann, das uns der Beitrag nicht gefällt? Er lässt einfach zu viele Fragen unbeantwortet. Nur einige Beispiele: Wer hat die depressiven Phasen bei Frederike diagnostiziert – ein Psychiater, ein Psychologe, oder der schreibende Coach? Hat die Protagonistin wegen ihrer psychischen Probleme ausschließlich ein Coaching erhalten, oder zusätzlich eine Psychotherapie?

Ähnlich im Vagen bleibt Frederikes Coaching selbst. Neumann schreibt:
„Mit Hilfe ausführlicher Analysegespräche und zusätzlichen Massagen zur Entspannung schaffte es Frederike langsam, ihre mentalen Blockaden zu lösen. Sie begann zu erkennen, dass ihre Glaubenssätze im Verhältnis zu ihrem Bruder mit der Wirklichkeit nicht übereinstimmten.“

Wie genau Frederikes Coaching abgelaufen ist, erfährt der Leser nicht. Offenbar beruht es auf der vom Autor selbst entwickelten Neumann Methode®. Wie genau funktioniert diese Methode? Ist ihre Wirksamkeit belegt? Wie unterscheidet sie sich von anderen Ansätzen? Für wen ist sie geeignet? Was kostet sie?

So viele Fragen. Der Beitrag beantwortet davon: keine.

Quelle:
Spiegel Online (15. April 2014). Konfliktbewältigung: Wenn Geschwister immerzu streiten (Link)

Schwangere brauchen Eisenpräparate

StimmtHaltNicht – Nicht alle Frauen, die ein Kind erwarten, müssen Nahrungsergängzungsmittel einnehmen, die Eisen enthalten. Das berichtet gesundheitsinformation.de. Die Fachleute haben für ihren Beitrag aktuelle Forschungsarbeiten ausgewertet.

Allerdings gibt es auch Schwangere, denen Eisenpräparate nützen. Das sind Frauen, die an Blutarmut – fachsprachlich Anämie – leiden.

Allen anderen bringt es wenig, auf Verdacht entsprechende Tabletten oder Tropfen zu schlucken. Es reicht, genügend Eisen über die Nahrung aufzunehmen.

Lebensmittel, die viel Eisen enthalten, sind:

  • Fleisch, insbesondere Leber
  • Getreide, vor allem Vollkornflocken
  • Hülsenfrüchte wie Linsen und Bohnen
  • geringe Mengen an Eisen verbergen sich auch in grünem Blattgemüse, etwa in Feldsalat, Spinat und Kräutern wie Petersilie und Kresse

Und warum brauchen Menschen überhaupt Eisen? Dieses chemische Element ist im Farbstoff der roten Blutkörperchen enthalten, dem sogenannten Hämoglobin. Rote Blutkörperchen transportieren – mithilfe des Hämoglobins – Sauerstoff in Gewebe und Organe des Körpers. Fehlt Eisen, sinkt die Menge des roten Farbstoffs im Blut, was die Versorgung der Zellen beinträchtigen kann.

Wer weitere Fragen zu Schwangerschaft und Geburt hat: Gesundheitsinformation.de hat in einem umfangreichen Special Antworten für werdende Eltern zusammengestellt.

Quelle:
Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)/gesundheitsinformation.de (2014). Benötigen alle schwangeren Frauen Eisenpräparate? (Link)

Die Steinzeit-Diät ist gut für Sportler

Nachgehakt – Wie sollten sich Athleten ernähren? Das hat der Kölner Stadtanzeiger Petra Platen vom Institut für Sporternährung und -medizin der Universität Bochum gefragt.

Auf die Frage, ob es in ihrem Fachgebiet neue Entwicklungen gebe, antwortet Platen: „Der Trend könnte in nächster Zeit eher in Richtung Steinzeit-Ernährung gehen. Es ist der Versuch, unsere Ernährungsgewohnheiten wieder stärker an das zu adaptieren, wofür unsere Gene tatsächlich ausgelegt sind. Erste klinische Studien zeigen, dass eine steinzeitlich ausgerichtete Ernährung noch positivere Effekte hat als eine mediterrane.“

Die Antwort hat uns überrascht. Vor Kurzem haben wir selbst über die sogenannte Paläodiät geschrieben. Damals waren wir zu dem Fazit gekommen, dass die Sinnhaftigkeit dieser Ernährungsweise durchaus umstritten ist. Zugeben: Unser Beitrag war eher allgemein gehalten; im Kölner Stadtanzeiger geht es um Sportler. Trotzdem fragen wir uns, wie das zusammenpasst.

Vielleicht haben wir bei unserer Recherche etwas übersehen? Wir haben bei Petra Platen nachgefragt, welche klinischen Studien sie konkret meint. Leider hat sie zurückgemeldet, sie habe derzeit keine Zeit, uns eine Antwort zu geben.

Deshalb haben wir selbst noch einmal in der Studiendatenbank Pubmed nachgesehen. Gefunden haben wir immer noch wenig. Und was wir gefunden haben, ist methodisch nicht unbedingt überzeugend. Mal davon abgesehen, dass wir eben nicht nur Zustimmung zu diesem Diät-Muster gelesen haben.

Bis auf Weiteres heißt es deshalb: The jury is still out.

Quellen:
Kölner Stadtanzeiger (14.3.2014). Ernährung: „Essen wie unsere Vorfahren“ (Link)
Recherche auf Pubmed, www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed, Suchbegriffe: „paleolithic diet health“ (24 Treffer, darunter eine Handvoll Studien, die tatsächlich etwas mit Gesundheit und Ernährung zu tun haben) und „paleolithic diet and exercise“ (5 Treffer, darunter nichts, das etwas mit Sport zu tun hat)

„Vegetarier kranker als Fleischesser“

StimmtHaltNicht – Es gibt viele Gründe, sich fleischlos zu ernähren. Manche verzichten auf Burger, Döner und Schnitzel, weil ihnen Tiere leid tun. Andere beißen lieber in die Tofuwurst statt in die Bratwurst, weil sie hoffen, das sei gesünder.

Letztere Annahme stellt nun die Bild-Zeitung infrage. Die Journalisten schreiben: „Vegetarier haben häufiger Krebs und mehr Herzinfarkte, leiden wesentlich öfter an Allergien und zeigen mehr psychische Störungen als Viel-Fleischesser.“

Diese Aussage geht auf eine Studie von österreichischen Wissenschaftlern um Nathalie Burkert von der Universität Graz zurück.


Doch bevor jetzt alle Vegetarier ihre Ernährung überdenken, haben wir uns die Untersuchung genauer angeschaut.
Erst einmal verschweigt auch die Bild-Zeitung nicht, dass die Befunde der österreichischen Wissenschaftler keinen Ursache-Wirkungs-Zusammenhang beschreiben. Ob fleischlose Kost tatsächlich krank macht, oder ob gesundheitlich angeschlagene Menschen sich vergleichsweise häufig vegetarisch ernähren – diese Frage können Burkert und Kollegen nicht beantworten.

Der Grund dafür ist das gewählte Forschungsdesign. Die Wissenschaftler werteten einen zwischen 2006 bis 2007 erhobenen Querschnitt aus 1320 Österreichern aus. Wenn jemand allerdings nur einmal befragt wird, lässt sich daraus eben keine Entwicklung ableiten. Die Daten bilden nur den Ist-Zustand zum Zeitpunkt der Erhebung ab.

Wie gesagt: Die Forscher behaupten nicht, dass vegetarische Ernährung für Krebs und andere Krankheiten verantwortlich ist. Warum man das in diese Untersuchung auf keinen Fall hineindeuten sollte, zeigt ein anderes Ergebnis der Auswertung. Demnach tranken die 330 Vegetarier am wenigsten Alkohol und waren auch von allen vier untersuchten Gruppen am dünnsten. Würde man bei der Untersuchung einen kausalen Zusammenhang unterstellen, müsste man damit auch sagen: Dick sein und saufen ist gesund.

In den Kommentarspalten der Fachzeitschrift Plos One wird die Studie von Burkert und Kollegen im Übrigen kritisch diskutiert. Ein Vorwurf lautet, dass eine frühere Analyse derselben Daten zu entgegengesetzen Ergebnissen kam. Burkerts Antwort: Die neue Auswertung sei genauer als die alte. Da die Gruppe der Vegetarier verhältnismäßig klein und bunt gemischt war, sei es sinnvoll gewesen, jedem einzelnen Fleischverzichter jeweils Fleischesser exakt desselben Alters und Einkommens gegenüberzustellen.

Quellen:
Bild.de (27. Februar 2014). Vegetarier kranker als Fleischesser. (Link)
Pressemitteilung der medizinischen Universität Graz (2014). Ausgewogene Mischkost bringt höchste Lebensqualität. (Link)
Nathalie T. Burkert et al. (2014). Nutrition and Health – The Association between Eating Behavior and Various Health Parameters: A Matched Sample Study. Plos One. DOI: 10.1371/journal.pone.0088278 (Volltext)
Krebsinformationsdienst (2007). Ernährung und Krebs (Link)

Läuseeier lassen sich nur mit Spezialshampoo aus den Haaren kämmen

StimmtHaltNicht – Doof genug, wenn man Kopfläuse hat. Aber selbst wenn die zwei bis drei Millimeter kleinen Insekten getötet wurden, sind ihre Eier, die sogenannten Nissen, immer noch schwer aus der Frisur zu bekommen. Die Weibchen der Gattung Pediculus humanus capitis kleben ihre Eier nämlich richtiggehend an den Haaren fest. Deshalb gibt es Spezialshampoos, die helfen sollen, die Nissen auszubürsten.

Aber braucht es diese Mittelchen überhaupt?

Eher nicht, sagen belgischen Wissenschaftler um Hilde Lapeere. Eine handelsübliche Haarspülung ist wohl ebenso effektiv.

Wie kommen die Forscher zu dieser Aussage? Sie untersuchten im Labor 605 Haare von sechs verschiedenen Kindern. An jedem Haar klebte eine Laus-Hinterlassenschaft. In der Mehrzahl handelte es sich dabei um leere Hüllen, nur in 14 Prozent der Fälle war noch ein totes Ei enthalten. Die Wissenschaftler versuchten nun, die Nissen zu entfernen und maßen, wie viel Kraft dafür notwendig war. Am schwierigsten gestaltete sich das bei unbehandelten, trockenen Haaren. Mandelöl und eine Ameisensäure-Lösung machten es ebenfalls nicht viel einfacher. Schon besser ging es, wenn die Haare mit Wasser eingeweicht waren. Doch am leichtesten war es für die Forscher, wenn sie die Haare vorab mit einer Spülung oder einem professionellen Nissen-Entfernungsprodukt durchgespült worden hatten.

Überraschenderweise gab es aber keinen nennenswerten Unterschied zwischen den Profi-Produkten und der Supermarkt-Spülung. Nach Ansicht der Wissenschaftler wirken Wasser, Spülung und Shampoo als eine Art Schmiermittel, mit deren Hilfe der Kamm besser durchs Haar gleitet. Das vermindert die Reibung, sodass weniger Kraft aufzuwenden ist.

Mit ihren Erkenntnissen bestätigen die Forscher um Hilde Lapeere bestehende  Empfehlungen, zum Beispiel der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA).

Dislaimer: Wir sind leider nicht an den Volltext der Studie herangekommen und beziehen uns deshalb auf diese Pressemitteilung.

Quellen:
Hilde Lapeere et al (2014). Efficacy of Products to Remove Eggs of Pediculus humanus capitis (Phthiraptera: Pediculidae) From the Human Hair. Journal of Medical Entomology (Abstract)
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (2011). Kopfläuse … was tun? (Broschüre)
Robert-Koch-Institut (2008). Ratgeber Kopflausbefall (Link)

In Deutschland haben wir nur noch „10 wirklich renommierte und gute Wissenschaftsjournalisten“

StimmtHaltNicht – Diese Behauptung von Prof. Jan-Hendrik Olbertz, Präsident der Humboldt-Universität zu Berlin ist ziemlich fragwürdig. Gesagt hat er diesen Satz beim ersten Wissenschaftstag des rbb.

Warum stimmt er halt nicht? Das hat Prof. Holger Wormer vom Lehrstuhl für Wissenschaftsjournalismus der Technischen Universität Dortmund in der „Sprechstunde“ des Medien Doktor  sehr schön zusammengefasst. Da halten wir uns diesmal doch zurück und verlinken seinen Eintrag einfach: „Zehn kleine Wissenschaftsjournalistlein„.

Nachtrag: Martin Schneider, Vorsitzender der Wissenschafts-Pressekonferenz (wpk), hat in einem offenen Brief auf die Aussagen von Prof. Olbertz reagiert und ihn zu einem offenen Kamingespräch eingeladen. Wir sind gespannt, wie es weiter geht.Watch movie online Logan (2017)

Und noch ein Nachtrag: Prof. Olbertz hat auf den offenen Brief der wpk reagiert. In einer Antwort, die auf der Seite der wpk veröffentlicht ist, schreibt er: „Sie haben recht, wenn Sie vermuten, dass mir diese Bemerkung unüberlegt ‚herausgerutscht‘ ist. Das stimmt tatsächlich, und ich würde diese Aussage auch nicht wiederholen.“ Anschließend ordnet er seine Formulierung noch im Gesprächskontext ein. Hier gibt es die gesamte Antwort.

Veronica Ferres sieht dank Paleo-Diät besser aus denn je

StimmtHaltNicht – Veronica Ferres setzt auf die sogenannte Steinzeitdiät. „Ich ernähre mich nach der Paleo-Diät. Ich habe damit fünf Kilo abgenommen“, sagte die Schauspielerin zu Bild.de.

Aha. Aber was ist diese Steinzeitdiät? Und: Ist das Konzept dahinter ein sinnvolles?

Die Idee der Paläo-Diät klingt erst einmal nachvollziehbar. Demnach haben sich die menschlichen Gene in den vergangenen 50.000 Jahren kaum verändert. Der Lebensstil der Menschen hat sich jedoch massiv gewandelt. Das Aufkommen der Landwirtschaft vor etwa 10.000 Jahren führte zu anderer Ernährung und weniger Bewegung.

So formulierten das 1985 Boyd Eaton und Melvin Konner von der Emory University in Atlanta. Der Ausweg: Wir heute lebenden sollten uns ein Beispiel an früheren Sammlern und Jägern nehmen. Mehr Bewegung und andere Ernährung macht uns demnach fitter, glücklicher und gesünder.

Veronica Ferres, Quelle: Wikipedia/Office Veronica Ferres
Veronica Ferres, Quelle: Wikipedia/Office Veronica Ferres

Gegen etwas mehr Sport ist für durchschnittliche Couch-Potatoes wohl nichts zu sagen. Aber wie sinnvoll ist eine Ernährungsummstellung? Veronica Ferres verzichtet auf viele Nahrungsmittel: „Ich esse keinen Zucker, kein Getreide, keine Milchprodukte. Ich backe mir mit Nüssen und Cranberries mein eigenes Brot und schlage ein Ei rein. Absolut köstlich.“ Die Münchner Abendzeitung weiß, dass Ferres weder „Nikotin, Kohlenhydrate“ noch „Alkohol braucht, um glücklich zu sein“.

Nikotin, Alkohol – einverstanden. Aber vollständig auf Kohlenhydrate verzichten? Nicht nur Chips und Süßigkeiten enthalten diese Energielieferanten. Die sind ja praktisch überall drin – sogar im Gemüse.

Und so plausibel das Paläo-Diät-Konzept klingt: Wenn man etwas darüber nachdenkt, gibt es viele Gründe, die dagegen sprechen. Warum, zum Beispiel, sollte der Durchschnittsmensch vor 50.000 Jahren das Ideal für eine perfekte Übereinstimmung zwischen Genen, Lebensstil und Ernährung sein? Zudem, fragt Caroline Williams im New Scientist, sind die heutigen Erdenbewohner auch gar nicht so schlecht an die Gegenwart angepasst wie sie denken. Viele Menschen haben mehrere Ausgaben der Gene, die den Bauplan für das stärkeabbauende Enzym Amylase enthalten, können also Getreidestärke verarbeiten. Der Verzicht ist also nicht nötig.

Doch selbst wenn wir uns wirklich ernähren müssten wie in der Steinzeit: Wir könnten es nicht. Die Nahrung, die heute im Supermarkt verkauft wird, gab es vor 50.000 Jahren nicht. Unsere Vorfahren haben Pflanzen und Tiere nach ihren Bedürfnissen gezüchtet und somit verändert.

Studien, in denen die Wirksamkeit der Paläo-Diät mit anderen Ernährungsprogrammen bei gesunden Erwachsenen verglichen wurde, haben wir in der Studiendatenbank Pubmed nicht gefunden.

Vielleicht hat der britische Psychologe James Thompson doch recht, der vermutet: Die beste Diät ist immer noch, weniger zu essen.

Quellen:
Bild.de (2014). Steinzeit-Diät macht Veronica Ferres so schön, 3. Februar 2014 (Link)
Abendzeitung München (2014). Veronica Ferres setzt auf die „Paläo-Diät“, 3. Februar 2014 (Link)
Caroline Williams (2013). Health myths: We should live and eat like cavemen. New Scientist, 219/2931, 36 (Abstract)

Per Hypnose zum Nichtraucher

StimmtHaltNicht – Viele Raucher wollen aufhören, schaffen es aber nicht. Würde es ihnen helfen, sich Unterstützung durch eine Hypnose-Therapie zu suchen? Ja, suggeriert ein Beitrag in der Lüneburger Landeszeitung vom 2. Januar 2014. In dem Artikel kommen drei Hypnotiseurinnen zu Wort, ihre Arbeit wird ausführlich vorgestellt. Eine der befragten Frauen nennt auch eine Erfolgsquote. Zwar will sie sich nicht genau festlegen, wie hoch die Chancen sind, nach einer Behandlung tatsächlich sein Laster aufzugeben. Doch sie sagt: „[…] Man schätzt, dass es etwa 85 Prozent sind.“

85 Prozent? Das klingt erst mal ziemlich gut. Doch der Leser erfährt weder, wo diese Zahl herkommt. Noch wird deutlich, worauf sie sich wirklich bezieht: Wie lange gelingt es den Rauchern tatsächlich, clean zu bleiben? Theoretisch könnte es sein, dass 85 Prozent der Nikotinsüchtigen für wenige Tage von ihren Zigaretten lassen und dann wieder anfangen. Und zuletzt wäre ein Vergleich sinnvoll: Wie wirksam ist die Hypnose im Vergleich zu einer Psychotherapie oder zur Entwöhnung mithilfe von Medikamenten?

Dabei gibt es durchaus Antworten auf diese Fragen. Eine Auswertung von Wissenschaftlern im Auftrag der Cochrane Collaboration kommt zu dem Schluss, dass die Hypnosetherapie nicht wirkungsvoller als andere Ansätze ist, etwa Psychotherapie oder Beratung. Von Interesse war, wie erfolgreich die Aufhörwilligen sechs Monate nach dem Rauchstopp waren.

Bild: © 2005 by Tomasz Sienicki / Wikipedia
Bild: © 2005 by Tomasz Sienicki / Wikipedia

Noch kritischer sind die Fachleute der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Sie schreiben: „Die Wirksamkeit von Hypnose im Rahmen einer Tabakentwöhnung konnte bisher nicht wissenschaftlich belegt werden.“

Dass es ernsthafte Zweifel daran gibt, mithilfe von Hypnose zum Nichtraucher zu werden, erfahren die Leser der Lüneburger Landeszeitung nicht. Dabei kann man dem Autor des Beitrags keinen fehlenden Fleiß vorwerfen: Immerhin hat er mit drei Hypnotiseurinnen gesprochen. Besser wäre es gewesen, auf ein Statement der Praktikerinnen zu verzichten und stattdessen noch einen unabhängigen Experten zu befragen.

(Übrigens: Journalisten, die zu medizinischen Themen Unterstützung bei der Recherche benötigen, können sich kostenlos an das Angebot Medien-Doktor Pro wenden.)

Quellen:
Lüneburger Landeszeitung, 2. Januar 2014: Gute Vorsätze in Trance verwirklichen (Volltext)
Jo Barnes et al. (2010). Hypnotherapy for smoking cessation. Cochrane Database Syst Rev. DOI: 10.1002/14651858.CD001008.pub2 (Abstract)
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: www.rauchfrei-info.de, Beitrag „Hypnose
Gesundheitsinformation.de: Rauchentwöhnung (Link)