Eiweißbrot am Abend hilft beim Abnehmen

StimmtHaltNicht – Wer abends eiweißhaltiges Brot genießt, nimmt – anders als es der Bäcker um die Ecke verspricht – im Schlaf nicht ab. Das sagen Ernährungsexperten und Verbraucherschützer.

Belege zum Eiweißbrot

Es ist nicht leicht eine gewichtsreduzierende Wirkung des eiweißhaltigen Brotes zu bestätigen oder zu widerlegen: Wissenschaftliche Untersuchungen, die das eine oder das andere geprüft hätten, gibt es nicht haben wir nicht gefunden. Wünschenswert wären Untersuchungen, in denen zwei möglichst ähnliche Gruppen miteinander verglichen werden. Die eine Gruppe isst abends das Eiweißbrot. Die andere Gruppe normales Brot. Nach einer festgelegten Zeit würde man dann kontrollieren, in welcher Gruppe die Testesser mehr abgenommen haben. Solange es diese Studien jedoch nicht gibt, muss es daher korrekt heißen: Dafür, dass das Essen sogenannter Eiweißbrote (über Nacht) das Gewicht reduziert, gibt es derzeit keine wissenschaftlichen Belege.

Vollkornbrot – doch eine Alternative zum Eiweißbrot?
Vollkornbrot – doch eine Alternative zum Eiweißbrot?

Da das nun aber ziemlich unbefriedigend ist, haben wir uns durch journalistische Veröffentlichungen gewälzt und geschaut, was unsere Kollegen schon so alles recherchiert haben. Insbesondere haben wir darauf geachtet, welche Positionen die Verbraucherzentralen und die Deutsche Gesellschaft für Ernährung einnehmen. Deren Meinung hat für uns mehr Gewicht, als die von Bäckereiverbänden, Ernährungsberatern, Abnehm-Coaches oder irgendwelchen Doktoren à la Pape.

In den Medienberichten zeigt sich ein recht eindeutiges Bild

Der Hintergrund: Durch kohlenhydratreiche Kost steigt der Blutzucker- und Insulinspiegel, das ist bekannt. Auch klar ist, dass dadurch Fett eingelagert und nicht abgebaut wird. Das Guten-Abend-Brot enthält nun mehr Eiweiß und weniger Kohlenhydrate als die gängigen Sorten. Der Blutzucker- und Insulinspiegel steigt nach einer Eiweißstulle also auch entsprechend geringer an. Als Folge sollen über Nacht die Pfunde purzeln. Doch Experten zweifeln an dieser Therorie: „Man könnte ebenso gut um 18 oder 19 Uhr ein normales Abendbrot essen und danach nichts mehr. Dann ist der Insulinspiegel nach rund zwei Stunden auch wieder unten“, sagt zum Beispiel Karin Riemann-Lorenz von der Verbraucherzentrale Hamburg der Frankfurter Rundschau.

Doch hilft das Brot denn gar nicht beim Abnehmen? Wohl eher nicht, denn laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) kommt es bei einer Diät gar nicht darauf an, wann am Tag der Abnehmwillige welche Nährstoffe aufnimmt. Vielmehr zählt die gesamte Energiebilanz. Und insbesondere hier schneiden die eiweißhaltigen Brote nicht gut ab: „Sie haben oft mehr Kalorien als ein herkömmliches Brot“, sagt etwa Antje Gahl von der DGE der Stuttgarter Zeitung. Und Stiftung Warentest bestätigt: Das Eiweißbrot liefere bis zu zehn Prozent mehr Fett und Kalorien als herkömmliche Brote. Das Fett sei nötig, damit die Brote überhaupt zusammen kleben und aussehen wie Brote.

Fazit

Beim Abnehmen hilft das Eiweißbrot also eher nicht. Wem es aber schmeckt und wer bereit ist, fast den doppelten Preis eines normalen Brotes hinzublättern, kann dies natürlich tun. Hungrige mit Allergien sollten sich jedoch genau erklären lassen, welche Einweiße im Brot enthalten sind, sagt Angela Clausen von der Verbraucherzentrale NRW in der ZDF-Sendung Volle Kanne.

Genutze Quellen

www.fr-online.de/ratgeber/backwaren-eine-scheibe-eiweissbrot-am-abend,1472794,11898020.html
www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.eiweissbrot-ganz-schoen-fette-brote.466e8b4e-6d25-4000-bbeb-7ca9282d3d36.html
www.test.de/Eiweissbrot-Ueber-Nacht-abnehmen-4379385-4379389/
www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1636866/Eiweissbrot—ein-gesunder-Schlankmacher%253F#/beitrag/video/1636866/Eiweissbrot—ein-gesunder-Schlankmacher%253F
www.pixelio.de

7 Antworten auf „Eiweißbrot am Abend hilft beim Abnehmen“

  1. Vielleicht nehmen manche Leut mit Eiweißbrot doch ab, schlicht und einfach weil es so teuer ist, dass sie sich nicht mehr satt essen können… 😉

    Ich meine auch, dass die Ernährungswissenschaft mittlerweile davon überzeugt ist, dass die meisten Menschen durch den massenhaften Fleischkonsum (abgesehen von Vegetariern natürlich) sowieso schon zuviel Eiweiss aufnehmen, was auch schädlich sei.
    Wisst ihr da mehr oder könnt ihr das verifizieren?

    1. Hallo Ijon,
      was den Fleischkonsum angeht: Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung sagt, dass Erwachsene 0,8 Gramm Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht täglich zu sich nehmen sollten. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass viele Menschen in Deutschland ihren Proteinbedarf über Fleisch, Milch und Käse regeln. Im Mittel nehmen wir hierzulande tatsächlich mehr Eiweiß auf als empfohlen; allerdings gibt es auch Menschen, die zu wenig davon bekommen.
      Wenn Du es genauer wissen möchtest: Die Referenzwerte für die Proteinaufnahme findest Du auf der Homepage der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Die DGE hat dort auch Ernährungsempfehlungen zusammengestellt. Wie die Versorgung mit Proteinen aussieht, haben wir in der Nationalen Verzehrstudie II auf Seite 104 nachgeschlagen.

  2. Wow, vielen Dank! Besonders die Verzehrstudie finde ich sehr aufschlussreich!
    Ernährung ist ja echt ein Minenfeld und es wimmelt im Netz (und sonstwo) nur so von Halbwissen und Legenden. Schön, wenn man mal verlässliche Quellen genannt bekommt.
    Ich frage mich allerdings noch, ob es wirklich schädlich ist zuviel Protein aufzunehmen, aber das ist schon ziemlich off topic…

  3. Hallo,

    bei diesem Thema könnte euch evtl. das Buch „Good Calories, Bad Calories: Fats, Carbs, and the Controversial Science of Diet and Health“ von Gary Taubes bzw. die darin zitierten Studien weiterhelfen. Er gehört auch zu eurer Zunft und setzt sich mit diesem Thema sehr kritisch auseinander. Auf der anderen Seite muss man auch sagen, dass der Begriff „Eiweißbrot“ mehr als irreführend ist.

    1. Hey Bingo Bongo,

      danke für den Tipp. Wir haben uns die Seite von Gary Taubes (http://garytaubes.com/) angesehen. Das Buch haben wir uns nicht gekauft.

      Auf der Seite gibt es ja viele Informationen zum Thema. Diese können wir natürlich nicht so schnell überblicken. Daher nur noch einmal kurz ein Satz zu unserem Vorgehen: Wir haben uns oben auf keine individuellen Meinungen oder wissenschaftlichen Zusammenfassungen gestützt. Wir haben wiedergegeben, was anerkannte Verbraucherorganisationen und die DGE zum Thema sagen.

      Wir behalten das Thema im Auge.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.