Hunde altern sieben Mal schneller als Menschen

StimmtHaltNicht – Um die Entwicklung von Hunden und Menschen zu vergleichen, gibt es eine einfache Faustregel. Sie besagt: Wenn man das Alter eines Hundes mit sieben multipliziert, erhält man als Ergebnis sein Alter in Menschenjahren. Ein siebenjähriger Vierbeiner wäre demnach so weit entwickelt wie ein Zweibeiner mit 49 Jahren. Leider ist diese Faustregel falsch.

Tierärzte und Hundebesitzer wissen das schon länger. Das Problem der Regel ist, dass dabei alle Vertreter der Gattung canis lupus familaris in einen Topf geworfen werden. Dabei leben Dänische Doggen im Durchschnitt weniger lang als Dackel. Ganz allgemein sterben große Hunde früher als kleine; je größer eine Hunderasse, desto schneller scheinen ihre Vertreter im Durchschnitt zu altern.

Das haben in jüngster Vergangenheit verschiedene Wissenschaftler gezeigt. Wenn es um die Erforschung von Leben und Tod von Hunden geht, ist der amerikanische Genetiker Daniel Promislow von der University of Georgia ein Experte. In einer jüngeren Übersichtsarbeit, die Promislow mit seiner deutschen Kollegen Cornelia Kraus verfasst hat, haben die Forscher für 74 Rassen modellhaft mehrere Hypothesen verglichen, die die unterschiedliche Lebenserwartung erklären könnten. Demnach ist es nicht so, dass große Hunde schon deutlich kränker als ihre kleinen Verwandten geboren werden. Sie haben vielmehr das Pech, einfach schneller zu altern. Die Forscher schließen das daraus, dass das Sterberisiko großer Hunde deutlich schneller zunimmt als das kleiner. Entsprechend treten bei großen Rassen auch früher typische Alterserkrankungen wie etwa Krebs auf. Das hat eine Gruppe um Promislow bereits 2011 herausgefunden.

Und warum dann überhaupt die Siebenjahres-Regel? Eine weitere Expertin aus dem Promislow-Dunstkreis, Kate Creevy, vermutet, dies liege daran, dass für alle Hunderassen insgesamt die Siebenjahres-Regel ein ganz brauchbares Durchschnittsergebnis liefere.

Quellen:
Cornelia Kraus, Samuel Pavard, Daniel Promislow (2013). The size-life span trade-off decomposed: why large dogs die young. The American Naturalist, 181(4): 492-505 (Volltext)
Ben Carter. Dog years: How do you calculate a dog’s true age? BBC News Magazine (Link)
Pressemeldung von 2011: Landmark study reveals breed-specific causes of death in dogs (Link)

„Jolies Operation ist […] eine Panikhandlung“

Die Schauspielerin Angelina Jolie hat sich beide Brüste entfernen lassen. Sie will so Brustkrebs vorbeugen. Jolie hat das vor wenigen Tagen öffentlich verkündet. Darüber haben Medien auf der ganzen Welt berichtet. Auch die Feministin Alice Schwarzer hat eine Meinung dazu. Sie schreibt im Blog der Zeitschrift Emma:

„Nicht nur [Jolies] […] geliebte Mutter starb mit 56 an Brustkrebs, auch sie selbst trägt das Brustkrebsgen BRCA1 in sich. Laut Experten erhöht das das Risiko zu erkranken um 60 bis 90 Prozent. Doch lässt sich ein solches Problem mit dem Messer lösen? Kann ein Mensch Körperteile, die bedroht sein könnten, einfach abschneiden und bleibt dann gesund zurück? Gewiss nicht. Ein so entfremdetes, mechanisches Verhältnis zum eigenen Körper trägt dem komplexen Zusammenspiel eines Körpers inklusive der Rolle psychischer Einflüsse kaum Rechnung. Jolies Operation ist also weder mutig noch feige, sie ist eine Panikhandlung.“

Schwarzers Meinung bleibt ihr unbenommen. Einige Fakten sind aber in unseren Augen falsch oder missverständlich wiedergegeben. Wir helfen gerne weiter:

  • Angelina Jolies Brustkrebsrisiko ist nicht erhöht, weil sie das Brustkrebsgen BRCA1 trägt. Ihr Risiko ist, kleiner aber feiner Unterschied, erhöht, weil sie eine mutierte Version dieses Gens von ihrer Mutter geerbt hat. Das passiert relativ selten. Etwa eine von 500 Frauen trägt eine solche veränderte BRCA1-Variante. Manche Quellen gehen davon aus, dass dies noch seltener vorkommt.
  • Angelina Jolie selbst gibt ihr ursprüngliches Brustkrebsrisiko mit 87 Prozent an. Gemeint ist damit, dass sie mit eben dieser Wahrscheinlichkeit irgendwann in ihrem Leben an Brustkrebs erkrankt wäre, hätte sie sich nicht für eine sogenannte Mastektomie entschieden. Jolie sagt, die Operationen hätten ihr Brustkrebsrisiko auf unter fünf Prozent gesenkt. Dass trotzdem ein Restrisiko bleibt, liegt daran, dass Ärzte das Gewebe nie vollständig entfernen können.
  • Entfremdetes, mechanisches Körperverständnis, psychische Faktoren? Wir wissen nicht genau, was Alice Schwarzer damit meint. Wir vermuten, sie meint: Angelina Jolies
    Die Schauspielerin Angelina Jolie, Mikhail Popov (Михаил Попов, http://thebestphotos.ru/)
    Angelina Jolie, 2010 in Moskau. Bild: Mikhail Popov (Михаил Попов, http://thebestphotos.ru/) via Wikipedia

    Brustkrebsrisiko wäre auch gesunken, wenn sie irgendwie psychisch mehr mit sich im Reinen wäre. Das würde so allerdings nicht stimmen. Psychologen weisen schon länger darauf hin, dass die Vorstellung einer sogenannten Krebspersönlichkeit der Realität kaum entspricht. Der Mensch ist, und da hat Alice Schwarzer recht, nämlich verdammt kompliziert. Und so etwas komplexes wie den Einfluss der Seele auf die Krebsentstehung hat noch niemand nachvollziehbar nachgewiesen (außer, die Seele sagt: Trink wie ein Loch und rauch wie ein Schlot, aber das wäre eine andere Geschichte).

Wer sich intensiver mit dem Thema befassen möchte, dem empfehlen wir folgende Internetseiten:
Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums, www.krebsinformationsdienst.de/vorbeugung/risiken/brustkrebsrisiko-mai2013.php und www.krebsinformationsdienst.de/leben/krankheitsverarbeitung/psyche-und-krebsrisiko.php
BBC Radio 4, More or Less: Angelina Jolie’s 87% cancer risk; Romanian crime stats (Sendung vom 17. Mai 2013, Podcast: www.bbc.co.uk/programmes/b01sdw2d)
Nachtrag, 21. Mai 2013: Bei Medizin-Transparent gibt es eine umfangreiche Analyse zu den bisher bekannten Fakten zur vorbeugenden Brustentfernung: www.medizin-transparent.at/das-paradox-der-brustentfernung