Statistik auf dem Prüfstand

StimmtHaltNicht – Das Ruhrgebiet ist das Armenhaus Deutschlands. Das impliziert der „Armutsbericht 2011“ des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes. StimmtHaltNicht, sagen die drei Statistikexperten Gerd Gigerenzer, Walter Krämer und Thomas Bauer.

Die Aussage des Berichts sei irreführend. Er messe statt Armut lediglich die Einkommensungleichheit (Armutsgefährdungsquote) und lege darüber hinaus den falschen Vergleichsmaßstab (Medianeinkommen der Bundesrepublik Deutschland) an.

Aktion „Unstatistik des Monats“ gestartet

Der genaue Blick auf den „Armutsbericht 2011“ ist nur der Anfang: Mit der „Unstatistik des Monats“ wollen der Berliner Psychologe Gigerenzer, der Dortmunder Statistiker Krämer und der Essener Wirtschaftsforscher Bauer künftig jeden Monat eine Statistik und deren Interpretation genauer hinterfragen. Die Aktion soll nach eigenen Aussagen:

  • dazu beitragen, mit Daten und Fakten vernünftig umzugehen,
  • in Zahlen gefasste Abbilder der Wirklichkeit korrekt zu interpretieren und
  • eine immer komplexere Welt und Umwelt sinnvoller zu beschreiben.

Wir von StimmtHaltNicht freuen uns darüber und haben weiter ein Auge auf die Aktion.

Quellen:
Die PM zum Eintrag gibt es unter http://idw-online.de/de/news462076

 

Ein Turm aus Popcorn und Chips

AugenBlick. Der Super Bowl gilt in den USA als inoffizieller Nationalfeiertag. Beim wichtigsten Footballspiel des Jahres haben im vergangenen Jahr in Spitzenzeiten 162,9 Menschen zugesehen, im Durchschnitt immerhin 111 Millionen. In der Frankfurter Allgemeinen Sontagszeitung (leider nicht online) steht heute auch, was die Amerikaner dabei essen:

  • 4.000 Tonnen Popcorn
  • 14.500 Tonnen Chips
  • 3.600 Tonnen Guacamole

Das klingt beeindruckend. Wie viel das genau ist, konnten wir uns beim ersten Lesen nicht richtig vorstellen. Deshalb haben wir eine kleine Grafik gebastelt. Wie hoch wäre ein Turm aus 4.000 Tonnen Popcorn oder 14.500 Tonnen Chips?

Ein Turm aus Chips und Popcorn. Grafik: © stimmhaltnicht.de
Ein Turm aus Chips und Popcorn. Grafik: © stimmhaltnicht.de

Würde man die Chipstüten aufeinander stapeln, wäre der Turm nicht nur extrem instabil, sondern auch 16.571 Kilometer hoch. Die Popcorneimer kämen immerhin noch auf 2.799 Kilometer. Zum Vergleich: Die Raumstation Mir umkreiste die Erde in einem Abstand von etwa 390 Kilometern, der Mount Everest kommt auf 8,8 Kilometer.

Wen es interessiert: Was waren unsere Grundlagen?

  • Popcorn: Wir sind von Popcorneimern ausgegangen, in die 300 Gramm Popcorn passen und die dabei 21 Zentimeter hoch sind. Je nach Hersteller der Eimer können Höhe und Füllmenge auch etwas anders ausfallen.
  • Chips: In Deutschland werden Chips oft in Tüten mit 175 Gramm Inhalt verkauft. Wir haben gerechnet, dass die Tüten 20 mal 30 Zentimeter messen und zehn Zentimeter dick sind. Damit der Turm nicht zu hoch wird, haben wir sie auf der dünnsten Seite gestapelt (also da, wo sie zehn Zentimeter dünn sind).

Quellen:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 5. Februar 2012, Seite 20
Wikipedia-Eintrag zum Super Bowl (englisch): http://en.wikipedia.org/wiki/Super_Bowl

Außerdem interessant:
Lohnt es sich, Gastgeber des Super Bowls zu sein? www.npr.org: Podcast „Is Hosting The Super Bowl Worth It?“

Ein Bild sagt mehr … *

AugenBlick. Man muss das Rad nicht immer wieder neu erfinden. Deshalb machen wir an dieser Stelle auch nicht viele Worte, sondern verweisen auf ein paar tolle Bilder im Fachmagazin Science. Unter www.sciencemag.org/site/special/vis2011/ werden einige sehr beeindruckende Fotos, Illustrationen, Poster, Videos und Spiele vorgestellt. Das Schöne daran: Man muss kein Naturwissenschafts-Nerd sein, um seine Freude daran zu haben.

Bild aus Science: Illustration von Brustkrebszellen.

* Für diese Überschrift wurde ordnungsgemäß ins Phrasenschwein eingezahlt.

Abnehmen: Am besten mit Artischocken-Drink

StimmtHaltNicht – Es wäre kaum der Rede wert, was amerikanische Wissenschaftler jetzt in einer Studie veröffentlicht haben: Wer abnehmen möchte, sollte weniger Kalorien zu sich nehmen. Wer viel isst, nimmt zu, wer entsprechend weniger isst, nimmt ab. Was in den menschlichen Körper hineingeht, muss schließlich irgendwo hin.

Wie gesagt, es wäre eigentlich kaum der Rede wert. Wenn man allerdings jemals im Halbschlaf die Fernsehkanäle durchschaltet hat und beim Teleshopping hängengeblieben ist, dann weiß man: Es gibt eine ganze Industrie, die das Gegenteil behauptet. Abnehmen, so wird suggeriert, kann man am besten, wenn man für 50 Euro (sensationeller Einführungspreis!) dreieinhalb Flaschen Artischocken-Drink kauft und die brav über Monate hinweg in sich hineinschüttet. Das stimmt halt nicht. Zumindest nicht so ganz.  Wenn man sein Geld gerne für Nahrungsergänzungsmittel zum Fenster hinauswerfen ausgeben möchte, kann man das natürlich tun. Sofern gleichzeitig die Kalorien-Aufnahme sinkt, nimmt man sogar ab.

Abstract der Studie: www.ajcn.org/content/early/2012/01/17/ajcn.111.026328
Bericht auf Spiegel-Online: http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,812221,00.html

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Kopfbälle machen doof

StimmtHaltNicht – bisher weiß man einfach nicht, ob Fußballspieler, die gerne auch einmal ihren Kopf benutzen, doof werden. Daran ändert auch die Ergebnisse einer Studie aus den USA nichts, die im Rahmen einer Poster-Session des alljährlichen Treffens der Radiological Society of North America (RSNA) in Chicago vorgestellt wurden: Wissenschaftler um Michael Lipton untersuchten 38 Männer, die seit ihrer Kindheit Fußball spielen. Die Forscher erhoben, wie oft die Amateur-Spieler den Ball mit dem Kopf trafen. Das Ergebnis: Häufiges Kopfballspiel war mit Hirnschäden verbunden. Dabei waren Bereiche betroffen, die unter anderem für Aufmerksamkeit, Gedächtnis und Verhaltenssteuerung relevant sind.Movie Rings (2017)

Lassen sich die Ergebnisse übertragen? Kein Mensch kennt die Studie und die entsprechenden Details. Bisher hat nur das Albert Einstein College of Medicine eine Pressemitteilung veröffentlicht. Darin fehlen wichtige statistische Angaben. Das ist auch nachvollziehbar. Eine Pressemitteilung soll Journalisten anfixen und dazu bringen, über ein Thema zu berichten. Wer sich genauer mit der Kopfball-Studie auseinandersetzen möchte, der braucht tiefer gehende Antworten. Der muss wissen, nach welchen Kriterien die Wissenschaftler ihre Versuchspersonen ausgewählt haben. Wie verhindert wurde, dass Menschen, die möglicherweise unabhängig vom Fußball an Hirnschädigungen litten, die Ergebnisse verzerrten. Außerdem wäre es interessant, ob nicht auch andere Gründe für die Ergebnisse verantwortlich sein könnten. Vielleicht ist das Gefährliche nicht der Kontakt mit dem Ball, sondern der gelegentliche Zusammenstoß mit dem Kopf des Gegenspielers? Nicht schaden könnten auch Hinweise, warum die Forscher nur 38 Probanden untersuchten. Auf den ersten Blick scheint das eine zu geringe Zahl zu sein, um beim Freizeit-Kick zurückhaltender zu sein.

Quellen:
Abstact der Studie, http://rsna2011.rsna.org/search/event_display.cfm?em_id=11001570
Pressemitteilung, www.eurekalert.org/pub_releases/2011-11/aeco-fi111711.php
Bericht auf Spiegel-Online, www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,800597,00.html
Bericht der BBC, www.bbc.co.uk/news/health-15917035