Diättipp: Eier helfen beim Abnehmen

Marmelade und Brötchen sind wenig ratsam, wenn man abnehmen möchte. Besser sind Rühreier. Das zumindest verspricht ein Diättipp in der Zeitschrift TV 14 (Ausgabe Nr. 23 Nov. 2014). Demnach haben Diätwillige, die regelmäßig Eier zum Frühstück aßen, 65 Prozent mehr Gewicht verloren als Brötchen-Freunde.

Wir haben uns die Studie, die dieser Aussage zugrunde liegt, genauer angeschaut – und haben dann doch einige Ergänzungen.*

Erstmal ein wenig Hintergrund: Für diese Aussage wurden 79 Übergewichtige mit einem Durchschnittsgewicht von 95,8 Kilogramm (Brötchengruppe) und 92,5 Kilogramm (Eiergruppe) miteinander verglichen. Über acht Wochen aßen die Probanden an fünf Wochentagen ein vorgegebenes Frühstück. Entweder ein Brötchen (Bagel) mit Frischkäse und Joghurt (339 kcal) oder zwei Eier, Toast und Marmelade (340 kcal). Alle Teilnehmer dieser Gruppen sollten zudem bei den späteren Mahlzeiten auf 1200 bis 1800 kcal verzichten, abhängig vom Ausgangs-BMI.

Marmeladenbrötchen oder Rührei?
Marmeladenbrötchen oder Rührei? Diättipp in der TV 14 (Ausgabe Nr. 23 Nov. 2014)

Nach acht Wochen hatten beide Gruppen abgenommen. Die Brötchen-Esser im Schnitt 1,59 Kilogramm, die Ei-Esser 2,63 Kilogramm – was einem (relativen) Unterschied von 65 Prozent entspricht.

Unsere Anmerkungen
Absolute Werte wären besser verständlich. 65 Prozent mehr Gewicht abzunehmen klingt viel. Für zwei Monate, an denen man sich jede Woche fünf mal zwei Eier reinzwingt, ist ein Unterschied von einem Kilogramm bei Menschen mit einem Ausgangsgewicht von mehr als 90 Kilogramm jedoch gar nicht mehr so beeindruckend. Außerdem fragen wir uns, ob das Ergebnis nach acht Wochen wirklich relevant ist: Mit den meisten Abnehmprogrammen verliert man kurzfristig Gewicht. Es hapert aber in der Regel daran, über einen längeren Zeitraum schlank zu bleiben. Interessant wäre deshalb ein Vergleich nach mehreren Jahren.

Uns verwundert auch, wie die Journalisten der TV-Zeitschrift das Studiendesign erklären. So wie wir die Studie verstehen, war es prinzipiell egal, wie die Eiergruppe ihre Eier zubereitete – ob als Spiegelei oder zum Beispiel gekochtes Ei. Die freie Interpretation, dass es auch bei Rühreiern – bei denen eventuell Milch und Butter untergerührt wird – bei diesem Ergebnis bleibt, könnte man zumindest infrage stellen. Auch bei der Aussage, dass Eier einen Vorteil gegenüber „Marmeladenbrötchen“ erzielen ist uns unklar, woher sie stammt. Aß doch die Brötchengruppe ihre Bagel mit Frischkäse und Joghurt. Marmelade gab es lediglich in der Eiergruppe.

Und dann: Was ist mit möglichen Risiken? Die Studienautoren verweisen darauf, dass ihre Ei-Diät mit 213 Milligramm Cholesterol pro Ei zusätzlich einhergeht. Zwar meinen die Forscher, dass das den Probanden nicht geschadet habe. Aber wie vertrauenswürdig ist eine Untersuchung, die von einer Lobbyorganisation der amerikanischen Eier-Industrie, dem American Egg Board finanziert wird?

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt übrigens, höchstens drei Eier pro Woche zu verzehren. Und da sind schon die enthalten, die im Kuchen stecken.

Quellen:
JS Vander Wal et al. (2008). Egg breakfast enhances weight loss. International Journal of Obesity, 32, 1545–1551. DOI: 10.1038/ijo.2008.130 (Volltext)
TV 14 (Ausgabe Nr. 23 Nov. 2014)
Deutsche Gesellschaft für Ernährung (2004). DGE-Ernährungskreis (Link)

* Der Diättipp erwähnt, dass die Behauptung auf einer „Studie der Louisiana State University“ beruht. Wir haben die gängigen Datenbanken bemüht und die oben zitierte Studie gefunden (in der es um Frühstückseier und eine Gewichtsreduktion um 65 Prozent sowie eine Reduzierung des Bauchumfangs um 34 Prozent geht). Ob diese wirklich die zitierte Studie ist, können wir aufgrund mangelnder Quellenangabe leider nicht sagen.

Sex mit vielen Frauen schützt vor Prostatakrebs

StimmtHaltNicht – Schläft Mann mit mehr als 20 Frauen, betreibt er Prostatakrebs-Vorsorge. So oder ähnlich lauteten in der vergangenen Woche die medialen Reaktionen auf eine kanadische Studie (Beispiele gibt es etwa hier oder hier). Wie die Studienergebnisse zustande kamen und dass deren Interpretation von Experten durchaus kritisch gesehen wird, darüber wurde jedoch kaum berichtet.

Die Studie: Prostatakrebs und Sex mit Frauen

Die kanadischen Wissenschaftler von der Universität Montreal hatten rund 1600 Prostatakrebs-Patienten nach ihrem Sexualverhalten gefragt und diese Erkenntnisse mit den Daten einer ähnlichen Gruppe gesunder Männer verglichen. Die Forscher setzten die Angaben besonders kontaktfreudiger und eher verklemmter Männer miteinander in Verbindung. Demnach hatten Männer, die mehr als 20 Sexpartnerinnen in ihrem Leben hatten, ein geringeres Risiko für Prostatakrebs als solche, die nur auf eine Partnerin kamen (für die meisten Männer, die zwei bis 20 Partnerinnen haben, sind diese Studienergebnisse demnach irrelevant).

Die mediale Berichterstattung über diese Studienergebnisse erweckt jedoch zum Teil den Anschein, dass es zwischen der Anzahl der Sexualpartnerinnen und einer Prostatakrebserkrankung einen Ursachen-Wirkung-Zusammenhang gibt. Diesen Schluss lässt die Studienform jedoch nicht zu.

Kritik am Studiendesign

Kritik am Studiendesign übt beispielsweise Dr. Mieke Van Hemelrijck vom King’s College London. Die Expertin für Krebsepidemiologie sagte dem Guardian: “Sexual activity was assessed with an interview. So we can’t be sure that men with prostate cancer didn’t reply in a different way to men without prostate cancer.” Und auch die Ergebnisse ließen keinen klaren Rückschluss auf einen kausalen Zusammenhang zwischen vielen Sexualpartnerinnen und Prostatakrebs zu. Es sei beispielsweise möglich, dass Männer, die nach sexueller Vielfalt suchen, im Alltag mehr auf sich achten und gesünder leben. Männer, die ihr Leben lang einer oder wenigen Partnerinnen treu bleiben, neigen laut Van Hemelrijck auch eher dazu, zum Proststakrebs-Screening zu gehen. Ihr Krebs wird dann auch häufiger erkannt.

Risikofaktoren für Prostatakrebs nicht bekannt

Die sexuelle Aktivität gilt laut Krebisinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums in Zusammenhang mit Prostatakrebs übrigens als widerlegtes Risiko (Stand 27.02.2014). Was genau den Krebs verursacht, weiß man heute (noch) nicht. Neben genetischen Veranlagungen vermutet man etwa auch im Lebensstil einen Risikofaktor für das Prostatakarzinom.

Quellen:

Andrea R. Spence, Marie-Claude Rousseau, Marie-Élise Parente. Sexual partners, sexually transmitted infections, and prostate cancer risk. Published Online: September 29, 2014 DOI: http://dx.doi.org/10.1016/j.canep.2014.09.005

The Guardian, Does sex with more than 20 women really protect against prostate cancer?, http://www.theguardian.com/society/shortcuts/2014/oct/29/does-sex-protect-against-prostate-cancer

Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums, Prostatakrebs: Risikofaktoren und Vorbeugung, http://www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/prostatakrebs/risikofaktoren.php

Zentrum für Krebsregisterdaten, Krebs in Deutschland, http://www.rki.de/Krebs/DE/Content/Publikationen/Krebs_in_Deutschland/krebs_in_deutschland_node.html